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Über die universelle Verfügbarkeit

Über die universelle Verfügbarkeit

Am letzten Tag des Sommermonats Juli im Jahr 2007 wurden in einem Irischen „Super“markt die ersten weihnachtlichen Süßwaren mit dem Aufdruck „Merry Christmas“ gesichtet.

Für mich ist das ein weiterer Beweis für die Tatsache, daß die Menschheit offenbar nicht mehr ernst genommen werden will bzw. sich auch selber nicht mehr ernst nimmt. In dem manisch anmutenden Bestreben nach Individualität rennt die sogenannte zivilisierte Menschheit immer mehr in die universelle Verhaltens-Uniformität, sei es hinsichtlich Mode, „Lifestyle“ oder, beispielsweise, Erreichbarkeit. Letzteres Phänomen führt dazu, daß mittlerweile nicht nur jeder Europäer zum Zweitauto hin tendiert, sondern – jedenfalls legen es Statistiken aus Irland nahe – auch zum Zweit-„Handy“. Das Mobiltelefonieren, welches es ermöglicht, immer und überall erreichbar zu sein – im Bus, beim Gottesdienst, beim Sex, auf´m Klo – führt zu seltsamen Erscheinungen. Schon Kinder im zartesten Alter meinen, ohne Mobiltelefon „nicht mehr leben“ zu können, und ich erinnere mich einer realitätsnah anmutenden Karikatur in der Zeitschrift „Eulenspiegel“, auf der aus dem hochschwangeren Bauch einer Frau schon ein „Handy“-ton erschallt.

Auch verdanken wir dieser Erfindung die Erscheinung des „Cybermenschen“, Kombinationen von Mensch und Maschine, wie es STAR-TREK-Erfinder Gene Roddenberry noch für Utopie hielt: Die Borg, assimilierte menschliche Wesen, aus denen Maschinenteile und Apparaturen ragen, sind bereits unter uns. Denn wer ist nicht schon dutzenden von Leuten begegnet, die rund um die Uhr mit einem technischen Teil am Ohr herunlaufen, mit dessen Hilfe sie freihand „Handy“ telefonieren können.

In meiner gesamten Kindheit und Jugendzeit kannte ich eine Handvoll Leute, zumeist Handwerker, die stets mit einem Bleistift – oder wahlweise einer Zigarette - ans Ohr geklemmt anzutreffen waren, aber das war´s dann auch. Wenn einer in den offenen Raum hineinsprach, sprach er zu einer anwesenden Person, und wenn keine andere Person anwesend war, dann war´s ein Fall für die Psychiatrie. Heute will ich immer antworten, wenn jemand mich vermeintlich anspricht, nur um dann festzustellen, daß derjenigen zu seinem kleinen Mann im Ohr redet. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann – wie ebenfalls in STAR TREK – diese Kommunikationsquelle, zusammen mit einem Universaltranslator, nahe dem Ohr unter die Haut implantiert wird.

Es geht aber nicht nur um Mode, das Telefonieren oder das Briefeschreiben – Dinge, für die es eine Zeit gab, die Zeit brauchten und für die man sich Zeit nahm. Es geht um Rhythmen, die wir verloren haben: Sommer war immer verbunden mit Erdbeeren, Kirschen, Söckchen und Eis am Stiel. Weihnachten hatte etwas mit Erwartung und Vorfreude zu tun und hatte einen Geruch.

Jetzt riecht alles gleich, sieht alles gleich aus, überall in Europa und der sogenannten „Ersten“ Welt; so wie der Mensch selber ist alles fast immer und überall verfügbar. Welch ein Fort-schritt, fort von den Wurzeln.

Aber in Zeiten, wo Irische Mädchen im Dezember Söckchen tragen, England in seinen Sommern ertrinkt, Deutschland im Juli heizt und Griechenland nicht deshalb verbrennt, weil es heiß ist, sondern weil Spekulanten die Lunte an´s Land legen – da ist es vielleicht nur logisch, daß man nicht mehr weiß, welche Jahreszeit es ist – und möglicherweise fallen dann die Erdbeeren auf dem bunten Weihnachtsteller und Zimtsterne an einem kalten Sommerabend am Kamin gar nicht mehr so unangenehm auf ...
31.7.07 18:27


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