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Über "Dr. Paddy"

Eine kleine Geschichte über Dr. Patrick Hillery



Mir mag ja hier auf der Insel etwas entgangen sein, aber meine Recherchen auf diversen Webseiten haben – eine knappe Woche nach dem Tod des ehemaligen Irischen Präsidenten Dr. Patrick Hillery – nichts ergeben, das auf eine Meldung hinsichtlich dieses Todesfalles in Berlins grösseren Tageszeitungen hindeutet.
Das ist umso erstaunlicher, als ja gerade die Deutsche Bundeskanzlerin die Grüne Insel besucht hat und es auch sonst grosse Affinitäten auf Deutscher Seite zu Irland hin gibt. In Zeiten, in denen immer mehr nicht wirklich Fähige in Politik und Wirtschaft drängen, scheint es mir angebracht zu sein, an diesen „Dr. Paddy“ genannten grossen und doch so bescheidenen Staatsmann zu erinnern, der meines Wissens zu Zeiten seiner Präsidentschaft von den Lesern eines Deutschen Nachrichtenmagazins zum bestaussehendsten Inhaber eines so hohen Staatsamtes erkoren wurde.
Vor einigen Jahren nahm ich an einem Aquarell-Mal-Workshop in meiner Wahlheimat teil, bei dem auch ein älteres Ehepaar anzutreffen war, namens Maeve and Paddy. Beim ersten gemeinsamen Lunch fragte ich Paddy , was er denn in seinem Leben beruflich gemacht habe. Er antwortete, er sei von der Westküste und von Hause aus Arzt, lebe aber seit langem in Dublin. Auf die Frage, ob er auch in Dublin praktiziert hatte, kam die Antwort: ”Nein, aber ich habe dies und das gemacht”. Heute schäme ich mich, dass ich zu der Zeit nicht mit irgendwelchen Irischen Präsidenten vor Mary Robinson vertraut war. Aber ich spürte auch so, dass hinter Paddys bescheidener und freundlich-interessierter Art eine grosse Persönlichkeit steckte. Er wollte alles über mein Aufwachsen in Ost-Berlin wissen, alles auch über meine bescheidene 10-jährige politische Karriere als Bezirksverordnete in Berlin-Köpenick nach der Wende, und er war ebenfalls sehr interessiert an meiner chronischen und in Irland sehr seltenen Erkrankung Borreliose. Ein- oder zweimal kam er zu mir und bat mir, ihm bei einem Problem mit den Aquarellfarben zu helfen.
Niemand, weder er noch seine Frau noch irgendjemand in der Künstlertruppe gaben Paddys Identität preis. Monate später enthüllte sich mir durch ein Fernsehprogramm, wer dieser interessante ältere Mann wirklich war, und langsam dämmerte mir, dass es weit mehr als „dies und das“ gewesen war, was er für Irland und Europa geleistet hatte: Abgeordneter des Irischen Parlaments, Minister in drei Ressorts, erster Irischer Europa-Commissioner, 14 Jahre – zwei Amtsperioden – Irischer Staatspräsident...
In meinen eigenen 10 Jahren in der Politik habe ich eine Reihe von Präsidenten und Staatsrepresentanten getroffen, inclusive unser heutigen Kanzlerin – aber niemanden, der mich auch nur annähernd mit seiner Person und seiner Persönlichkeit so berührt hat. Wenn die Worte „Bescheidenheit“ und „Gentleman“ einer lebenden Verkörperung bedürfen – „Dr. Paddy“ war diese Verkörperung. Er war mehr als ein Ire, er war Europäer und Internationaler Politiker und wirkte ausgleichend in einer tumulthaften Zeit im eigenen Land. Ich bin traurig, dass er nicht mehr hier ist, und ich bin sehr froh, dass ich ihm begegnen durfte.
18.4.08 12:51


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